Der große Content-Marketing-Skandal: Niemand kennt die korrekte Schreibweise für den Begriff Content-Marketing

Große Agenturen, seriöse Publikationen, Blogger – gefühlte 99 % aller Content-Marketing-Experten – schreiben das Wort Content-Marketing falsch.

2015-11-06

Das ist doch wirklich seltsam. Sind sie doch Experten für „Content“-Marketing. Da könnte man schließlich auch davon ausgehen, dass Sie wenigestens ein paar grundlegende Rechtschreibregeln beachten können. Oder gelten für uns Content-Marketer etwa Sonderregeln? Dieser Beitrag widmet sich ausnahmsweise mal der deutschen Rechtschreibung und möchte ein für allemal aufklären, wie der Begriff richtig geschrieben wird.

Richtig zusammenschreiben und trennen

Wie es geht, steht im Duden in Regel 41: Zusammengesetzte Fremdwörter.

Zusammengesetzte Fremdwörter werden zusammengeschrieben <§ 37 (1)>. Besteht die Zusammensetzung aus Substantiven, kann zur besseren Lesbarkeit ein Bindestrich gesetzt werden <§ 45 E1>.

  • Desktoppublishing (auch: Desktop-Publishing)
  • Airconditioning (auch: Air-Conditioning)
  • Sciencefiction (auch: Science-Fiction)
  • Midlifecrisis (auch: Midlife-Crisis)

Viele weitere Beispiele führt Frau Dr. Sigrun Schroth-Wiechert in ihrer PDF „Der Bindestrich in technischen Berichten“ auf.

Die richtige Rechtschreibung

Demnach gibt es genau zwei richtige Schreibweisen für den Begriff Content-Marketing.

  1. Content-Marketing
  2. Contentmarketing

„Content Marketing“ ist falsch!

Die beliebteste Falschschreibweise

Das englisch anmutende „Content Marketing“ (ohne Bindestrich) schießt wohl den Vogel ab. Alle benutzen es. Wenn es darum geht, absichtlich die englische Schreibweise in einem ansonsten deutschsprachigen Satz zu benutzen, dann müsste der Begriff im Fließtext auch klein geschrieben werden.

Beispiel: Ich liebe Content Marketing. (Falsch!)

Angenommen „Ich liebe“ soll deutsch sein und „Content Marketing“ soll englisch sein, dann müsste es sich wenigstens so schreiben:

Ich liebe content marketing. (Hauptwörter werden im Englsichen klein geschrieben. Dennoch ist das immer noch falsch!)

Es ist in diesem Fall aber notwendig, klar zu machen, dass der Satz aus zwei Sprachen besteht. Das fremsprachliche Element muss typografisch hervorgehoben werden. Zwei Möglichkeiten:

  1. Der Begriff „content marketing“ hat im Englischen folgende Bedeutung … (In Anführungsstrichen)
  2. Der Begriff content marketing hat im Englischen folgende Bedeutung … (Kursiv)

Weitere Beispiele enthält die Forendiskussion „richtig durchkoppeln“:

Also generell kann man sagen, dass, wenn es um rein deutsch Begriffsverbindungen geht, die Zusammenschreibung richtig ist, sofern das zusammengesetzte Wort nicht so lang wird oder durch unglückliche Buchstabenkombinationen so schwer lesbar, dass eine Bindestrichverbindung die lesefreundlichere Alternative wäre.

Bei der Verbindung von deutschen und fremdsprachlichen Wörtern ist die Bindestrichvariante in der Regel die bessere Lösung, weil die unterschiedliche Herkunft der Wörter dann deutlicher wird. Das ist für Verständnis und Aussprache des zusammengesetzten Begriffes von Vorteil, die Erfassbarkeit wird dadurch erleichtert.

Fazit

Da haben wir es. Zum Schluss bleibt noch die Frage, ob sich die deutsche Rechtschreibung durchsetzt oder die Phantasierechtschreibung, die sich die Szene ausgedacht hat. Ich glaube fast an Letzteres, denn Marketer können einen ganz schönen Dickschädel haben

Peinlich ist es allerdings schon, wenn sich Publikationen und Agenturen nicht an so einfache Regeln halten.

Zum Schluss lässt sich noch festhalten, dass diese Regeln auch für alle anderen Branchenbegriffe gelten. Hier ein Auszug:

  • Inbound-Marketing
  • Corporate-Publishing
  • Social-Media-Marketing
  • E-Mail-Marketing
  • Content-Management
  • Onpage-Analyse
  • Offpage-Analyse
  • Online-PR
  • SEO-Analyse
Saša Ebach ist Autor, Gründer und Chefredakteur des Content-Marketing-Magazins.

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