Interview – So viel Aufwand ist die Produktion einer Content-Marketing-Broschüre

Heute im Interview: Alexa Domachowski von Heise RegioConcept über den Produktionsaufwand der Broschüre „Entwicklung einer Content-Marketing-Strategie für kleine und mittlere Unternehmen“.

2015-11-27

Alexa Domachowski

Hallo Alexa,

Ihr habt am Dienstag ein E-Book/eine Broschüre mit dem Titel „Entwicklung einer Content-Marketing-Strategie für kleine und mittlere Unternehmen“ herausgegeben. Ich durfte ein Interview und ein paar Beispiele beisteuern. Das Resultat lässt sich sehen und die Inhalte sprechen die Zielgruppe wirklich an.

Heise RegioConcept

Unsere Leser interessieren sich dafür, wie so ein Produktionsprozess funktioniert. Von der Planung, über die Produktion bis hin zu Verbreitung der Inhalte. Dazu habe ich ein paar Fragen. Aber zuerst:

Erzähl uns doch ein bisschen über dich und deine Arbeit bei Heise RegioConcept.

Heise RegioConcept ist Dienstleister für lokales Marketing mit Sitz in Hannover. Wir betreuen vor allem kleine und mittlere Unternehmen wie Handwerksbetriebe oder Anwälte und bieten ihnen Dienstleistungen für deren lokales Marketing an.

Ich selbst bin als Content-Managerin bei Heise RegioConcept tätig. Ich betreue unseren Unternehmens-Blog und fülle ihn regelmäßig mit Content. Zudem baue ich unsere Wissens-Kategorie auf. Dort veröffentlichen wir Leitfäden und E-Books zum kostenlosen Download.

Vor meiner Tätigkeit bei Heise habe ich meinen Master in „Informationsmanagement“ an der Universität Hildesheim abgeschlossen und nebenbei diverse Arbeitserfahrungen im Online-Marketing gesammelt. Privat habe ich sogar einen eigenen Blog, auf dem ich über Geheimtipps in Hannover berichte. Du siehst – das Thema Content-Marketing begleitet mich quasi rund um die Uhr.

Die Geheimtipps schaue ich mir vor meinem nächsten Besuch in Hannover definitiv genau an. Man merkt schon, dass da jemand mit Leidenschaft schreibt. Was soll das E-Book für Eure Zielgruppe erreichen?

Wir möchten mit dem E-Book zeigen, dass Content-Marketing kein Hexenwerk ist und wirklich jeder – vom Maler bis zum Tierarzt – spannende Inhalte publizieren kann! Um das zu beweisen, haben wir etliche Praxisbeispiele von kleinen Unternehmen eingebaut. Ich glaube, dass (noch) zu viele Mitarbeiter kleiner Unternehmen Respekt vor Content-Marketing haben und denken, dass es großen Unternehmen vorbehalten ist. Diese Angst möchten wir denjenigen nehmen. Content-Marketing macht Spaß! Und wenn man etwas mit Spaß verfolgt, wird es meistens auch ein Erfolg. Wenn man spannende, informative Inhalte veröffentlicht, kommt das Publikum von ganz allein.

Spannende und informative Inhalte sind auf jeden Fall eine notwendige Grundlage. Wie viele Stunden Arbeit hat die Produktion dieses E-Books ungefähr „gekostet“?

Von der ersten Idee bis zum fertigen E-Book hat es ungefähr zwei Monate gedauert. Die Interviewpartner haben wir kontaktiert, als wir selbst mit der Content-Erstellung begonnen haben. Erfreulicherweise erhielten wir die Antworten sehr zügig, sodass wir unsere Inhalte um die Interviews bauen konnten und sie sich nun toll in den Lesefluss einfügen.

Finn, Corinna und ich (das Autorenteam) haben insgesamt etwa 70 Arbeitsstunden für die reine Content-Erstellung aufgewandt. Die haben sich auf etwa vier Wochen verteilt – nebenbei stand ja auch noch das Alltagsgeschäft auf dem Programm. An der Grafik und Satzung waren zwei Personen beteiligt. Gemeinsam haben sie circa 30 Stunden benötigt, vom ersten Entwurf bis zum finalen Dokument. Die Korrekturen sind nicht zu unterschätzen, man findet einfach immer wieder etwas, das noch nicht passt. Insgesamt hatten wir acht Versionen des E-Books.

Neben der reinen E-Book-Produktion fällt natürlich noch einiges an, was indirekt damit verbunden ist. Die Erstellung der Landingpage, Planung von Marketing-Aktivitäten, Vorbereitung der Content-Seeding-Listen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Sehr interessant – 70 Arbeitsstunden ohne die Content-Promotion. Jeder kann sich so ungefähr selbst ausrechnen, wie viel Ressourcen notwendig sind, um etwas Vergleichbares im eigenen Fall zu bewerkstelligen. Wie seid ihr bei der Produktion genau vorgegangen?

Corinna, Finn und ich haben uns am Anfang zusammengesetzt, eine Gliederung erstellt und die Themen nach unseren Kompetenzen aufgeteilt. Finn ist beispielsweise unser Webanalyse-Experte – da war schnell klar, dass er den Teil „Erfolgsmessung“ übernimmt.

Wir haben uns einen Umfang von 35 Seiten vorgenommen und eine Text-Erstellungs-Deadline von drei Wochen festgelegt. Die haben wir auch nur um eine Woche überschritten ;-)

Es sind dann 40 Seiten geworden, das macht aber nichts. Die Grafikabteilung war rechtzeitig über unser Vorhaben und den Zeitplan informiert, sodass sie sich Arbeitszeit dafür reservieren konnte. Uns war wichtig, dass das E-Book im November 2015 online geht, damit wir noch im Dezember mit der Vermarktung (Content-Promotion und -Seeding) beginnen können. Der Grund dafür ist, dass Corinna im Januar 2016 den Erfolg dieser Maßnahmen in ihrer Bachelorarbeit auswertet. Diese schreibt sie über das Thema „Content-Promotion“ am Fallbeispiel unseres E-Books. Ab jetzt laufen diverse Kampagnen über Content-Promotion-Netzwerke. Das Content-Seeding ist mittelfristig für die nächsten zwei bis vier Monate angesetzt.

Das ist wirklich spannend. Ich freue mich sehr auf Corinnas Bachelorarbeit. Hoffentlich mag Sie sie auch veröffentlichen, denn nichts ist spannender als die Erfolgsmessung von Content-Marketing-Aktionen. Worauf ist besonders bei der Umsetzung so einer Broschüre zu achten? Hast du einen Tipp?

Uns haben die Deadlines sehr geholfen, im Zeitplan zu bleiben. Neben den alltäglichen Aufgaben ist so ein E-Book nicht mal ebenso nebenbei geschrieben. Man muss sich die Zeit dafür freischaufeln. Wenn dann noch mehrere Mitarbeiter an dem Prozess beteiligt sind, ist es unabdingbar, dass man sich an Termine hält.

Ich empfehle, die Deadlines nicht zu straff anzusetzen. Es kommt immer mal ein Krankheitsfall dazwischen oder eine wichtige Aufgabe, die dann vorgeht. Außerdem ist der Zeitaufwand auch nicht ganz einfach einzuschätzen, wenn man so etwas zum ersten Mal macht.

Wenn man mit mehreren Autoren arbeitet, lohnt es sich, einen „Schreibweisen-Leitfaden“ aufzusetzen, damit eine einheitliche Schreibweise gewährleistet werden kann. Das spart viel Korrekturzeit. Gerade bei Fällen wie „E-Book“ vs. „Ebook“ vs. „eBook“ ist es wichtig, dass man sich auf eine Version einigt.

Das ist gerade im Team unverzichtbar. Was hat davon am meisten Spaß gemacht?

Da ich ein sehr praxisliebender Mensch bin, haben mir die Koordination der Interviews und die Suche nach Praxisbeispielen am meisten Spaß bereitet.

Der Kontakt zu anderen Online-Marketing-Experten ist sehr bereichernd. Ich finde es großartig und inspirierend, wenn Unternehmen aus derselben Branche ihr Wissen teilen und weitergeben. Nur so schafft man es, die Brille des eigenen Unternehmens mal abzusetzen und offen für neue Ansichten und Ideen zu sein.

Bei der Suche nach Praxisbeispielen bin ich auf so viele tolle Blogs, Video-Channels oder Facebook-Seiten von kleinen und mittleren Unternehmen gestoßen. Es hat sehr viel Spaß gemacht zu sehen, wie kreativ so manche kleine Firma doch an das Thema Content-Marketing rangeht. Zum Beispiel der Tierarzt Dr. med. vet. Stefan Kuscha, der in die Rolle von „Dr. Tier“ schlüpft und Haustierhaltern auf seinem Blog Tipps zu Themen wie gesunder Ernährung oder Impfungen gibt. Dort gibt man seinen Vierbeiner sicher gern in Behandlung.

Insgesamt war es einfach spannend, sich so intensiv mit Content-Marketing auseinanderzusetzen. Wir haben selber noch einiges über das Thema gelernt und gleich unsere eigene Content-Strategie 2016 überarbeitet.

Beispiele sind immer extrem spannend. Neue Beispiele zu finden ist unglaublich schwer, weil Unternehmen auf ihrer Website ja nirgends die Begriffe „Beispiel Content-Marketing“ stehen haben. Ich persönlich sitze manchmal stundenlang vor der Suchmaschine, um selbst Beispiele zu recherchieren. Da sieht man dann den Wald vor lauter Bäumen nicht. Hast du vielleicht einen Trick für uns? Wie gehst du bei der Recherche nach Beispielen vor?

Da hast du recht, so ganz einfach ist es tatsächlich nicht. Der erste Weg ist bei mir immer, bei den Kollegen zu fragen, ob sie gute Beispiele kennen. Wir verbringen alle viel Zeit im Internet und meistens hat irgendjemand mal irgendetwas gesehen, das interessant sein könnte.

Der zweite Schritt ist, sich in die Lage eines Informationssuchenden zu versetzen. Ich stelle mir vor, dass ich z.B. eine Hundebesitzerin bin, die Tipps von einem Tierarzt für die gesunde Tierernährung haben möchte. Und dann google ich intuitiv so etwas wie „Ernährungsberatung Hund Tierarzt“ (weil ich Tipps von einem Tierarzt haben möchte). Oft erkennt man Content-Marketing-Maßnahmen schon an den Snippets.

Screenshot

Es lohnt sich aber auch, auf anderen Online-Marketing-Blogs oder in passender Literatur ein bisschen nach dem Thema zu suchen, denn meistens nennen auch sie Beispiele, auf die man so nicht gekommen wäre.

Alexa, vielen lieben Dank für das offene Interview. Ich bin mir sicher, dass unsere Leser hier Vieles für sich mitnehmen konnten und hoffe, dass wir dann in 3–6 Monaten über die Ergebnisse sprechen. Ich drücke die Daumen und hoffe, dass es für Euch ein voller Erfolg wird.

Saša Ebach ist Autor, Gründer und Chefredakteur des Content-Marketing-Magazins.

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